Die Vielfalt der Karabiner und welcher Karabiner für was geeignet ist

Die Vielfalt der Karabiner und welcher Karabiner für was geeignet ist

Für Schaukeln im Garten oder Turngeräte in Kinderzimmern werden leider immer noch häufig Karabiner verwendet, welche nicht Bruchlastgetestet oder für Personenlasten zugelassen sind. Eben solche eignen sich natürlich sehr gut, um Blumentöpfe aufzuhängen, jedoch keine Lebewesen (Kinder und Erwachsene). Wie nun sieht man aber welcher Karabiner für Kinderschaukeln Zuhause, Turngeräte im Wohnzimmer, für Luftyoga oder sogar für Luftakrobatik geeignet ist?

Ganz klar ist dies durch die Normen gekennzeichnet, welche auf jedem Karabiner sichtbar zu lesen sind. Diese sind sehr einfach zu erkennen und sehen etwa so aus: CE EN 362 und oder EN 12275

Die Karabiner Kennzeichnung EN 362 steht für Industrieklettern, was heißt, dass diese für Industriekletterer geeignet sind, da es in diesem Beruf auf eine absolut hohe Sicherheit ankommt.

Die Kennzeichnung der Karabiner mit der Nummer EN 12275 steht für die Nutzung im Sportklettern wie zum Beispiel beim Bergsport, wo es darauf ankommt, möglichst leichtes und sicheres Material zu nutzen. Auch beim Vorstieg an Felsen in der Natur oder in Kletterhallen werden die leichten Aluminium Karabiner am meisten genutzt.

Hier sind wir auch schon beim nächsten Thema:

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Brauche ich einen Alu-Karabiner oder einen Stahlkarabiner?

Karabiner Bunt

 

Nun möchte ich hier nur einen kurzen Denkanstoß mit auf den Weg geben:

Alukarabiner haben den Vorteil dass sie leicht sind, da waren wir ja schon. Jedoch können sie nach einiger Zeit und diversen Stürzen (wenn Du mit großem Schwung in den Karabiner fällst oder Dir zum Hobby machen solltest, Deinen Alukarabiner aus großen Höhen auf harte Böden zu pfeffern (wovon ich natürlich dringend abrate), winzige Risse bilden. Diese Risse können auch im Inneren des Karabiners entstehen und sind deshalb für das Menschliche Auge ohne Superkräfte nicht ersichtlich. Durch die Minirisse, kann es sein, dass der Karabiner bricht. Also ist an dieser Stelle ratsam, Deinen Alukarabiner nach enormen Stürzen vorsorglich auszutauschen. Stahlkarabiner haben dieses Problem nicht. Sie sind zwar sehr viel schwerer, dafür verbiegen sie sich bei enormen Lasten erst ordentlich (so, dass Du das auf jeden Fall siehst), bevor sie brechen können. Wenn sich Dein Stahlkarabiner also nicht mehr öffnen oder schließen lässt, oder gar eine ganz ungewöhnliche Form angenommen hat, tausche ihn gegen einen neuen Karabiner aus.

Ich persönlich entscheide mich je nach Vorhaben für einen Karabiner:

Wenn ich Luftyoga mache und in geringen Höhen, wie zum Beispiel meiner Zimmerdecke hänge, dann benutze ich eher Aluminiumkarabiner. Wenn ich in der Klatterhalle eine Route im Vorstieg klettere, benutze ich ebenfalls Aluminiumkarabiner. Sobald ich mich in spektakulären Höhen befinde (ab ca. 5 m) wo ich einen Abfaller nach dem nächsten mache, fühle ich persönlich mich sicherer, wenn ich Stahlkarabiner für meine Aufhängung verwende. Ab und zu hänge ich zum Beispiel an einem ca. 20 m hohen Kran, an meinem Vertikaltuch, woran ich einen spektakulären Abfaller nach dem nächsten mache. In diesen Momenten greife ich in meiner Karabinerkiste immer zu den großen D-Stahlkarabinern, welche eine Mindestbruchlast von 50 kN haben.

Diese Kennzeichnung der kN muss übrigens ebenfalls auf Deinem Karabiner stehen. KN ist die Abkürzung von Kilonewton und lässt sich etwa so einfach rechnen:

10 kN entspricht einer Tonne und eine Tonne ist so viel wie ein kleines Auto oder 1.000 Kg. Die kN auf einem Karabiner zeigt also immer die Mindestbruchlast an. Das heißt also noch lange nicht, dass ich an einen Karabiner, welcher mit 50 kN beschriftet ist, fünf kleine Autos dranhänge und dann bricht er. Die Mindestbruchlast sagt nur aus, dass der Karabiner bei seiner Bruchlasttestung bei der Belastung von fünf Kleinwagen angefangen hat, sich zu verbiegen. Und das weißt Du ja schon, ein Stahlkarabiner fängt erst an, sich zu verbiegen, bevor er auseinanderbricht. Die Mindestbruchlast wird ganz einfach mit Bruchlast abgekürzt, diesen Begriff findest Du genauso in meinen Artikelbeschreibungen hier im Luftakrobatik Shop.

Was ich Dir manchmal mit dazu geschrieben habe, ist die Arbeitslast, welche das Gewicht der zu tragenden Last angibt. Die Traglast sind in diesem Falle natürlich wir Luftakrobaten 😉 Auch, wenn viele von uns mit einer zierlich niedlichen Kilo Zahl beschenkt sind, erreichen wir doch hier und da enorm hohe Kräfte, wenn wir uns zum Beispiel im Vertikaltuch einwickeln und mit viel Schwung Richtung Boden fallen lassen. Diese Kraft wird die G-Kraft genannt und ist vielleicht bei Jet-Fliegern ein Größeres Thema, als bei uns Luftakrobaten. Die Arbeitslast beschreibt also das Gewicht, welches (performend) an dem Karabiner hängen darf. Wenn also eine Arbeitslast von 100 Kg (wie zum Beispiel bei unseren Vertikaltüchern) angegeben ist, heißt das, dass das Vertikaltuch erst bei einer Belastung von 1.000 Kg anfängt sich so auszudehnen, dass es zu reißen beginnen kann. Du siehst also, auch wenn Du 100 Kg wiegst, reißt ein Vertikaltuch nicht, wenn Du keine 10 G (enorm hohe Fallgeschwindigkeit!) erreichst.

Viele Karabiner sind mit 27 kN beschriftet, woraus abzuleiten ist, dass die Arbeitslast (bei einem Sicherheitsfaktor von 10) 270 Kg betragen darf und der Karabiner bei 2.700 Kg anfangen kann zu brechen. So, nun aber genug mit den Zahlen Daten und Fakten 😉

Welche Karabiner für welche Luftakrobatischen Geräte geeignet sind, wolltest Du noch wissen?

 

Nun, kurz habe ich ja schon erklärt, dass ich für Yogatücher und Tuchschlaufen in niedrigeren Höhen gerne die Alukarabiner verwende und für Vertikaltücher in hohen Höhen, die Stahlkarabiner. Welche Stahlkarabiner, hatte ich auch kurz erzählt:

Die D-Stahlkarabiner in extremen Höhen und vielen extremen Abfallern, ansonsten lieber die ovalen Stahlkarabiner, da diese besser zu Händeln sind.

Die Kauschen von Trapezen sind beispielsweise so groß, dass die Karabiner ebenfalls groß sein müssen, um die jeweilige Kausche überhaupt fassen zu können. Dies gelingt mit einigem hin und her Geschiebe mit den Alukarabinern in der klassischen C Form und noch sehr viel entspannter, mit den D-Stahlkarabinern.

Für Luftringe und Luftherzen nehme ich am liebsten die ovalen Stahlkarabiner, welche am bequemsten zum „Drumherum-Performen“ sind.

Für kompliziertere Aufhängungen wie zum Beispiel der Ketten oder der Strapaten, verwende ich Schraubkettenglieder anstatt Karabinern. Schraubkettenglieder werden auch Verbinder genannt und sehen aus, wie Karabiner. Sie sind jedoch viel kleiner und haben keinen Klappverschluss.

Verschlüsse gibt es bei Karabinern verschiedene Varianten. Zum einen der Schraubverschluss (Keylock), welche alle HMS Karabiner haben, zum anderen einen Twistlock-Verschluss und dann noch den Trielock-Verschluss. Im Luftakrobatik Shop haben wir die HMS Karabiner als Mittel der Wahl, da sie einfach zu händeln sind und bei richtiger Verwendung für jede Art von Luftakrobatik geeignet sind. Die Karabiner mit einem Twistlock System werden um die vertikale Achse des Karabinerverschlusses gedreht und nicht wie bei den HMS Karabinern um die horizontale Verschlussachse. Das Trilocksystem hat beide Funktionen auf einmal, was es nötig werden lässt, für ein einfaches Handling zu üben. Dieser Verschluss wird nämlich um die vertikale Verschlussachse gedreht und komplett hochgeschoben, bis sich der Karabiner öffnen lässt.

Wie Du siehst, ist die Karabinervielfalt enorm, ebenso wie deren Einsatzgebiete! Insgesamt lässt sich hoffentlich mitnehmen, dass Du Dich an keine Schlüsselanhänger- oder Blumentopfkarabiner hängen sollst, welche keine Bruchlasttestung hinter sich haben und nicht für Personenlasten zugelassen sind. Wenn Du natürlich Deinen Schlüsselanhänger oder Blumentopf an einen Karabiner mit allen Zertifizierungen für Personenlasten hängen möchtest, darfst Du das natürlich jeder Zeit 😉

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